How to… slow down

von | Nov 27, 2019 | Capsule Wardrobe | 0 Kommentare

Slow Fashion – was bedeutet das für mich als Näherin? Ist nicht allein die Tatsache, dass ich meine Kleidung selbst nähe, statt Fast Fashion einzutüten schon „Slow Fashion“? Ich finde nein.

Gerade am Anfang dieses schönsten Hobbys verleitet ein großer Vorrat an Stoffen und Schnittmustern zum Parallel-Arbeiten. Meine Erfahrung dazu hast du vielleicht schon in meinem Blogpost über die 5 Anfänger Fehler gelesen. Die Nähliste ist lang und am liebsten möchte man alles auf einmal umsetzten und tragen. Wenn dann in einem Projekt ein Hänger kommt und man einfach nicht weiter weiß, bleibt es auch schon mal liegen; dann ist die passende Jahreszeit plötzlich vorbei und das Kleidungsstück verliert sich im Berg der UFO’s – der unfinished Objects. Wie schade!

Ich habe hier zum Beispiel den „Mantel Hunter“ von Fibremood liegen, den ich direkt nach Erscheinen der Ausgabe vor 3 Monaten zugeschnitten hatte. Meine Motivation dahinter war nicht, dass ich akut einen Mantel brauchte, sondern, dass ich endlich das Projekt gefunden hatte, mit dem ich den orange-roten Wollstoff vernähen konnte, der seit 3! Jahren bei mir wohnt. Ob es jetzt die fehlende Notwendigkeit oder aber meine fixe Idee war, ihn zu kürzen, ohne das aufs Futter zu übertragen, was mir einen Knoten im Kopf verursacht hat oder aber das schöne Weihnachtskleid, das dann dazwischen gegrätscht ist – es ist egal. Ich bin es falsch angegangen. Ich hätte mich in das Modell verlieben, wohl überlegt einen Stoff aussuchen sollen und kein anderes Ziel als diesen Mantel haben sollen!
Ich hatte den Kopf nicht frei dafür und habe einfach drauf losgelegt, ohne mir vorher bewusst zu sein, was daran eine Hürde werden könnte. Letztendlich habe ich einen groben Fehler gemacht und die Paspeltaschenschlitze falsch geschnitten – damit war das Projekt für mich gestorben, ich hatte die Lust verloren, der Stoff gefiel mir gar nicht mehr und sowieso waren auf Instagram schon so viele tolle Modelle unterwegs, da konnte mein Mantel nicht mithalten… Ist man einmal in der Nähcommunity drin, die aus ganz wunderbaren, herzlichen, motivierenden Menschen besteht, so rattern sicher auch bei dir die Ideen im Kopf, was alles du nähen und der Welt präsentieren möchtest. Doch baut das auch Druck auf. Ich habe mich gefragt, wie ich mich in diese Community einbringen kann, ohne ständig ein neues Kleidungsstück rauszuhauen, denn das brauche ich ja gar nicht!

Mein Mantra ist also: slow down! Ich nähe für mich – nicht für die Community! Ich nähe, was zu mir und meinen schon vorhandenen Kleidungsstücken passt und nicht noch einen raffinierten, extravaganten Vogue-Schnitt, für den mir einfach die gesellschaftlichen Anlässe fehlen (auch wenn sich so ein Kleid sicher auch vor dem Spiegel herrlich anfühlen kann). Und ich nähe, um dazuzulernen.

Um wirklich FÜR MICH zu nähen brauche ich vor allem ein Grundverständnis von meinem Körper, meiner Statue, meinen Maßen. Und von den Schnittmustern. Wie verändert ein Abnäher einen Schnitt, wie gehe ich mit Referenzlinien um und passe Taillenhöhe oder Innenbeinlänge an? Meine Maße sind quasi das Periodensystem, das ich immer vor mir liegen habe, die Modifizierungsregeln die Formelsammlung, die ich irgendwann auswendig kann (und aber auch jederzeit überall nachschlagen kann!). Und das Nähen der Kleidung ist dann einfach die Summe aus dem richtigen Equipment und der Erfahrung. Das ist der Erfolg eines jeden Experimentes. Ich würde mich freuen, wenn ich dir hier in der Zukunft ein paar Tips zur Schnittmusteranpassung und dem Nähen geben kann, die dir vielleicht noch neu sind.

Mein Ziel ist nun, den Mantel noch einmal in Angriff zu nehmen, jetzt! Nicht erst im nächsten Winter. Und wieder etwas dazuzulernen.


Wann habt ihr das letzte Mal etwas dazu gelernt? Und was für UFO’s hausen bei Euch so?
Schreibt es mir unten in die Kommentare – ich bin gespannt drauf!

Hello

Ich bin Lotta

Ich teile mit Dir das schönste Hobby der Welt und zeige Dir hier meinen selbstgenähten Kleiderschrank. Ich würde mich freuen wenn er Dir ein Anstoß und eine Inspiration ist und Du demnächst mal wieder auf einen Kaffee vorbei schaust, denn ich freue mich besonders auf den Austausch mit Dir!

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